Notmops

Pauli

Am 15.10.06, auf dem Heimweg von einem Mopstreffen, wurden wir von einer jungen Dame angesprochen, ob wir nicht jemanden wüsste, der einen Mops möchte. Ich verneinte erst, da mir tatsächlich auf Anhieb niemand einfiel und sie erzählte die Kurzgeschichte von „Pauli“. Ihr Bekannter war mit seinem Hund Gassi und ihm wurde der ca. 9 Monate alte Hund von einem wildfremden Mann geschenkt, da er sonst im Tierheim landen würde, nur kann er dort nicht bleiben, da sein Hund sich nicht mit „Pauli“ verträgt und sie kann ihn nicht nehmen, außerdem sei „Pauli“ wohl krank, er ist viel zu dünn und seine Haut sieht auch nicht gerade gut aus.

Das waren die Worte, die man nicht gerne hört, schon gar nicht als Mopsbesitzer: Mops und Tierheim. Spontan erklärte ich mich bereit, dass ich „Pauli“ vorübergehend nehmen würde, dass ich jemanden wüsste, der Notmöpse vermittelt und gab ihr meine Telefonnummer. Montag morgen rief sie an, ob ich „Pauli“ denn immer noch nehmen würde. Klar, kein Problem, aber ich könne erst am Abend und würde dann auch gleich weiter zum Tierarzt fahren. Wir machten eine Uhrzeit aus, der Weg zum TA wurde mir abgenommen und ich setzte mich sofort mit der Mopsnothilfe in Verbindung.

Ich musste etwas warten, der TA Besuch dauerte länger als erwartet, und so sah ich ihn kommen. Eine junge Frau mit 2 Möpsen, einer beige, einer schwarz, der beige war „Pauli“, dünn, Zungenfehler und kahle Flecken im Fell, aber schon von weitem erkennbar, ein munterer fröhlicher, aufgeschlossener Mopsjunge. In der Wohnung bekam ich die ganze Geschichte zu hören. „Pauli“ gehörte einer jungen Frau, die zurück in ihre Heimat ging und ihn nicht mitnehmen konnte, oder wollte. Der Vater nahm ihn, aber nach 24 Std. stellte er fest, er ist zu lebhaft und daher sollte er weg, mit allen Sachen, Geschirr, Leine, Körbchen und Spielzeug. Der Befund war auch nicht so toll, Ohrenentzündung, bereits mit Verhärtungen, da wohl lange unbehandelt, Verdacht auf Demodikose und völlig unterernährt. Außerdem nicht stubenrein.

So nahm ich „Pauli“ mit, samt seinen Sachen, Medikamenten, Shampoo zum Baden und setzte mich zu Hause nochmals mit der Notmopshilfe in Verbindung. „Pauli“ benahm sich, als ob er schon immer da gewesen wäre, fröhlich begrüßte er den Rest der Familie und die anderen Hunde, ließ sich problemlos Baden, nahm die Couch in Beschlag und stürzte sich dann auf sein Futter. Die erste Nacht war sehr unruhig, er fand nicht den richtigen Platz zum Schlafen und die Ohren juckten entsetzlich. Aber irgendwann schlief auch er, mit im Bett, angekuschelt an meinem Mops – der fand’s ätzend, ließ es aber über sich ergehen, da ein Platzwechsel nichts nutzte und irgendwann ergab er sich in sein Schicksal als Kopfkissen missbraucht zu werden.

Auf Grund der heftigen Ohrenzündung, dem starken Juckreiz an den Ohren und seines etwas seltsamen Fressverhaltens schickte ich am anderen Tag meine Mutter mit ihm zu unserem TA. Dort stellte sich dann heraus, dass der Kiefer wohl mal gebrochen war, aber gut, wenn auch schief, verheilt ist. Um genau zu sehen, wo und wie der Bruch verläuft wäre ein Röntgenbild nötig gewesen und in dem Zustand wollten wir „Pauli“ keine noch so leichte Narkose antun. Er hat keine Probleme mit dem Fressen, frisst halt ein wenig seltsam, da er das Futter nicht normal aufnehmen kann und die Zunge ist halt immer ein bisschen sichtbar. Also nur noch ein paar Medikamente mitgenommen, Ohrtropfen und immunstärkende Mittel. Das Problem der Stubenreinheit hatte sich schon am übernächsten Tag erledigt, 3 Geschäfte gingen daneben, aber dann kapierte er, es gibt die Möglichkeit rauszugehen und prophylaktisch wurde er sowieso ca. alle 2 Std. ausgeführt, nachts hielt er dann auch durch.

Derweil lief die Mopsnothilfe auf Hochtouren und Donnerstag Abend kam der Anruf, es gibt jemanden in der Nähe, der einen Notmops haben möchte. Idealerweise war schon ein ungefähr gleich alter Mops vorhanden und Erfahrung mit der Behandlung von Demodex. Ein Treffen war schnell ausgemacht, allerdings erst Freitag spät Nachmittag, ich habe vorher noch einen Spaziergang mit „Pauli“ genießen wollen und eine ausgiebige Schmusestunde. Der kleine Kerl war so fröhlich, immer gut drauf und hat einen Charme zum Dahinschmelzen, kurz gesagt, die Familie war verliebt und der Abschied sollte noch ein bisschen hinausgezögert werden.
Das Treffen lief völlig problemlos, die junge Dame war sehr sympathisch und „Pauli“ kuschelte sofort bei ihr auf den Armen. Der Abschied war traurig für uns, aber unvermeidbar und „Pauli“ hat ein neues Herz im Sturm erobert, was außerdem durch einen Anruf am nächsten Nachmittag bestätigt wurde. Er hört jetzt auf den Namen „Rocky“ und es gab kaum Problem mit dem schon vorhandenen Mops.

„Pauli“ / „Rocky“ es war eine, wenn auch kurze, aber sehr schöne Zeit mit Dir. Ich danke Dir für diese Erfahrung und wünsche Dir von Herzen ein langes glückliches Mopsleben bei Deiner neuen Familie.

Heike Bultmann [01.11.06]


zurück